Meine Woche als alleinerziehende Mutter ­čśë

Nachdem mein Mann ja seit Sonntag weg ist, habe ich die Gelegenheit in das Leben als alleinerziehende Mutter reinzuschnuppern.

Wobei, es ist ja bei mir “Alleinerziehend light”, weil ich ja trotzdem nur Teilzeit arbeite und ich mir das wahrscheinlich nicht leisten k├Ânnte, wenn ich tats├Ąchlich alleine w├Ąre.

Tja, was soll ich sagen – es ist anstrengend. Ich bin halt 24 Stunden f├╝r die Kinder verantwortlich. Nat├╝rlich bin ich auch im Alltag tags├╝ber mit ihnen alleine. Aber irgendwann kommt mein Mann dann halt nach Hause und ich kann dann in Ruhe kochen, die W├Ąsche machen … ohne dass ich da tausend Mal herausgerissen werde. Mein Mann hilft nat├╝rlich auch etwas im Haushalt mit, andererseits macht er auch viel Unordnung, so dass sich dieser Effekt wieder aufhebt.

Er schnappt auch oft die Kinder und geht dann nochmal mit ihnen raus.

Ich bin halt jetzt Nonstopp der einzige Ansprechpartner f├╝r sie und das ist anstrengender als man denkt. Ich bin abends echt immer groggy und schlafe im Bett sofort ein.

Manche Sachen sind auch angenehmer, wenn ich alles allein mache. Ich kann mir halt jetzt auch alles so einteilen, wie es mir passt und muss mich mit niemandem absprechen. Es gibt das Essen, was ich will, wir gehen raus wann ich will… Das ist ein kleiner Vorteil, wiegt aber die Nachteile nicht ann├Ąhernd auf.

Was f├╝r mich auch eine Umstellung ist – meistens bringt mein Mann die Kinder ins Bett, ich mache das maximal einmal ein – zwei Mal pro Woche, wenn er halt Mal unterwegs ist. Er macht das auch toll, liest ihnen immer richtig lange vor… Ich chille dann w├Ąhrenddessen schon auf dem Sofa. Er rennt dann auch in ihr Zimmer, wenn sie noch ein paar Mal rufen. Und das mache jetzt nat├╝rlich auch ich und meine Ausruhzeit am Abend beginnt dann einfach mal ne halbe Stunde sp├Ąter.

Und morgens ist es auch so ne Sache. Mein Mann steht etwa ne dreiviertel Stunde vor mir auf, wenn die Kinder dann wach werden, gehen sie zu ihm und fr├╝hst├╝cken gleich. Und jetzt muss nat├╝rlich auch ich aufstehen. Besonders der Kleine muss immer SOFORT essen, wenn er wach wird (da ist er wie mein Mann) und ich hasse es, wenn ich nach dem Aufstehen SOFORT aufstehen und dann gleich was machen muss.

Die Jungs vermissen ihm nat├╝rlich auch, besonders morgens und abends. Zum Gl├╝ck kommt er am Sonntag wieder.

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Immer ├ärger mit der Oma

Im Laufe der Zeit habe ich es immer wieder geschrieben. Meine Mama macht mich wahnsinnig. Echt.

Wenn ich jetzt pl├Âtzlich ins Krankenhaus m├╝sste, mein Mann nicht da w├Ąre, ich w├╝rde meine Kinder guten Gewissens zu ihr bringen. Ich w├╝sste, dass sie dort gut versorgt sind und es ihnen gefiele.

Das ist die eine Seite. Das will ich einfach voraus schicken.

Die andere Seite ist komplizierter. Es f├Ąngt damit an, dass sie den Kindern jedes Mal etwas schenkt. Entweder ein kleines Spielzeug, manchmal auch etwas S├╝├čes. Das st├Ârt mich einerseits grunds├Ątzlich, andererseits haben die Kinder ihr gegen├╝ber auch schon die Erwartung, dass es etwas gibt und wenn es einmal nicht der Fall ist, werfen sie ihr das vor.

Folgende Szene spielte sich am Geburtstag vom Mini ab.

Er war total aufgedreht, weil Geburtstagsfeier im Kindergarten und erwarteter G├Ąste zu Hause. Meine Mama war der erste Gast. Obwohl ich sie darum gebeten hatte, ihm nur eine Sache zu schenken, hatte sie nat├╝rlich trotzdem mehr dabei – insgesamt f├╝nf Sachen. Sie schenkte ihm u. a. zwei Schleichtiere. Der Mini sah die Tiere und tickte voll aus, weil das die falschen waren.

Ich merkte, dass er einfach voll dr├╝ber war von der ganzen Aufregung. Er ging in sein Zimmer, heulend und stocksauer und lie├č da seinen Gef├╝hlen freien Lauf.

Meine Mutter wollte ihm nachgehen, ich bat sie, es nicht zu machen, weil ich merkte, dass er einfach mal seine Ruhe braucht.

Meine Mutter hielt mir dann einen Vortrag – das arme Kind, er sei ja so entt├Ąuscht vom Geschenk und m├╝de vom Kiga… Und das ging dann weiter mit Schuldzuweisungen an sich – sie h├Ątte ja das falsche besorgt und mich – ich h├Ątte ja wissen k├Ânnen, dass ihm das zu viel wird mit der Feier im Kiga und dann noch zu Hause. Sie w├╝rde jetzt mit dem Mini in den Spielzeugladen fahren und was anderes aussuchen.

Das hab ich ihr nat├╝rlichebenfalls untersagt.

Sie laberte ewig weiter und sie sagt da auch echt 1.000x das gleiche und als ich dann mit dem Zwerg abgelenkt war, ging sie doch zum Mini und sagte, dass sie jetzt mit ihm f├Ąhrt und was anderes aussucht. Ich war dann zwischenzeitlich so angepisst, dass ich sie am liebsten raus geworfen h├Ątte, aber um die Lage nicht weiter zu eskalieren, lie├č ich sie mit ihm fahren.

Das ist so ein typisches Beispiel. Sie missachtet mich und untergr├Ąbt meine Autorit├Ąt. Es kotzt mich einfach nur an.

Sowas passiert st├Ąndig – letztens wollte der Mini sich nicht anziehen, da versprach sie ihm ein Eis daf├╝r. Geht’s noch? Anziehen ist etwas v├Âllig normales, da muss man nicht belohnt werden.

Oder wenn ich etwas sage, worauf er keine Lust hat, wiederspricht sie mir vor seinen Augen und dann gibt’s nat├╝rlich erst recht ├ärger mit ihm. Kinder merken da ja sehr schnell, wo es sich lohnt reinzugr├Ątschen.

Inzwischen sind die Kinder kaum noch bei ihr und ich habe auch keine Lust mehr, mit ihr gemeinsam was mit ihnen zu machen, weil ich mich jedes Mal so ├Ąrgere und es st├Ąndig Streit gibt. Jetzt ist sie beleidigt. Mir tut das ja auch leid, ich mag sie ja, aber sie checkt das einfach nicht, obwohl ich es ihr schon 1.000 Mal gesagt habe.

Sie denkt, als Oma sei es ihr Recht, die Kinder mehr zu verw├Âhnen.

F├╝r mich hei├čt das, dass man bei der Oma vielleicht mal mehr S├╝├čigkeiten bekommt oder beim ├ťbernachten l├Ąnger aufbleiben darf oder von mir aus auch Mal ein kleines Geschenk au├čer der Reihe bekommt. Und nat├╝rlich, dass eine Oma sich beim Besuch ganz viel Zeit zum Spielen nimmt. Aber es hei├čt nicht, sich in alles einzumischen.

Aber warum nimmt sie sich dann nicht zur├╝ck und mischt sich st├Ąndig ein?

Sie glaubt st├Ąndig, dass sie die Kinder besser versteht. Klar sind die ruhig, wenn sie bei jedem Frust eine Belohnung bekommen, aber mit verstehen hat das nix zu tun. Sie kann es nicht aushalten, dass die Jungs mal traurig, sauer oder frustriert sind.

Wenn sie etwas doof findet, kann sie es mir gerne sagen, aber nicht vor den Kindern.

Strohwitwe

Die kommende Woche werde ich als Strohwitwe verbringen, das finde ich eigentlich ziemlich doof, aber es ist nun einmal nicht zu ├Ąndern.

Und deshalb will ich das Beste daraus machen. Also immer her mit den ultimativen Tipps, wie ich die Woche verbringen kann. Empfehlt mir die schnulzigsten Filme, die tr├Ąnenreichsten B├╝cher oder das beste Trostessen, das ihr kennt.

├ťber Erziehung

Ich muss vorab sagen, dass dieser Artikel als Reaktion auf einen Blogbeitrag in einem Mamablog entstanden ist. In diesem ging es sinngem├Ą├č darum, dass die Kinder darunter leiden m├╝ssen, wenn die Eltern gerade gestresst sind. Die Eltern sind dann vielleicht nicht so geduldig, schicken die Kinder fr├╝her ins Bett. Und daf├╝r wurde einem nat├╝rlich wieder ein richtig sch├Ân schlechtes Gewissen eingeimpft. Und zun├Ąchst hat es auch funktioniert, aber dann begann ich mich dar├╝ber zu ├Ąrgern.

Meine Kinder zu erziehen ist eines der schwierigsten Dinge, die ich jemals tun musste. Oft wei├č ich nicht, ob ich mich jetzt richtig verhalten habe. War ich zu streng, zu wenig streng, zu ungeduldig, zu nachgiebig…

Aber wenn man so herumliest kann man es ja eigentlich nur falsch machen. Die Kinder werden zu wenig gef├Ârdert, sind zu lange in der Kita, werden mit Husten dort hingeschickt oder man ist gleich ne Helikopter-Mutter. Wie man auch erzieht scheint es falsch zu sein.

Das Wort ÔÇťErziehen” mag ich eigentlich nicht. Das klingt so nach ÔÇťZucht” und “Ordnung”, nach Strenge und vielen Regeln. Das ist es nicht oder sollte es jedenfalls nicht sein.

Viel h├Ąngt davon ab, was man den Kindern vor lebt. Kinder akzeptieren die Welt, wie sie sie vorfinden. Ich gehe davon aus, das Kinder lernen sich zu bedanken, wenn sie das immer bei ihren Eltern sehen.

Ein Kind, das st├Ąndig erlebt, dass seine Eltern sich streiten wird auch das normal finden.

Aber wir sind alle nur Menschen, haben Mal schlechte Laune, vergreifen uns im Ton, gucken am Abend lieber TV anstatt st├Ąndig zu lesen. Nat├╝rlich sollte man gerade im Umgang mit Kindern versuchen, sich m├Âglichst vorbildlich zu benehmen. Aber es gelingt eben nicht immer und ich habe keine Lust auf ein schlechtes Gewissen, weil ich bei K├Ąlte vielleicht keine Lust habe, drei Stunden auf dem Spielplatz zu stehen (obwohl frische Luft ja so gut ist) oder wenn ich vor der Arbeit die Kinder zur Eile anhalte und nicht warte, bis sie ne halbe Stunde lang selbst die Schuhe anziehen.

Es ist ja auch verp├Ânt, die Kinder zu bestrafen.

Ich bin sicherlich kein Freund dragonischer Strafen, aber im Leben gibt es nun Mal Konsequenzen. Wer ├╝ber die Stra├če geht ohne zu gucken, wird vielleicht ├╝berfahren. Wer st├Ąndig gemein zu anderen Kindern ist, wird irgendwann allein dastehen. So ist das Leben. Und wenn sie auch zu Hause in einem gewissen Rahmen auch Konsequenzen erleben, dann ist das f├╝r mich nur folgerichtig. Milch absichtlich versch├╝ttet – nun, dann wird das aufgeputzt und es gibt auch keine neue. Dem Bruder eines ├╝bergezogen – dann gibt’s halt ne Auszeit auf dem Flur.

Auch wird oft ├╝ber das wenig kindgerechte in Schulen und Kindergarten gesprochen. Das System. Klar w├╝rde ich mir manches anders w├╝nschen – kleinere Klassen, bessere individuelle F├Ârderung. Aber auch so ist das Leben – es wird immer was geben, das man tun muss, obwohl man nicht will oder gerade m├╝de ist. Es wird ├╝berall Menschen geben, mit denen man sich arrangieren und klarkommen muss. Es gibt ├╝berall gewisse Zeitpl├Ąne einzuhalten, ├╝berall werden gewisse Erwartungen an einen gestellt. Und ehrlich, das wird doch im Berufsleben nicht einfacher. Ich kann Kinder da doch nicht durch eine Welt ohne Verpflichtungen lotsen, die es in der Realit├Ąt nicht gibt.

Auch ist offenbar das Schlimmste, wenn man den Kind Mal sagt, dass man gerade keine Zeit hat. Ich nehme mir Zeit f├╝r die Jungs, aber auch ich muss mal kochen, putzen oder sonstwas machen und ich finde nicht, dass ich ihnen Schaden zuf├╝ge, wenn sie Mal warten m├╝ssen. Den ├ťberraschung, auch DAS geh├Ârt dazu. Niemand bekommt immer sofort alle Bed├╝rfnisse erf├╝llt. Jeder muss mal warten oder etwas aushalten.

F├Ârderung ist auch so ein Thema – die Kinder sollen am besten schon von Geburt an gef├Ârdert werden mit passender Musik, Pekip und so weiter. Klar gibt es Eltern, die ihre Kinder abstellen und das finde ich schlimm. Aber die meisten Eltern k├╝mmern sich ja und es basiert auch nicht alles auf F├Ârderung. Ich habe zwei Kinder, eines davon liebt B├╝cher, das andere nicht. Das eine hat vielleicht st├Ąndig Lust auf Ballspiele, das andere nicht. Nicht alles, was ein Kind mag und kann beruht auf vorheriger F├Ârderung. Und andersherum ist nicht jede Schw├Ąche das Ergebnis mangelnder F├Ârderung – manche gehen halt erst mit vier allein aufs Klo, manche k├Ânnen einfach fr├╝h sprechen oder manche sind grobmotorischer als andere.

Im allgemeinen finde ich nicht, dass man zu wenig mit den Kindern macht oder sich zu wenig Gedanken macht – das Gegenteil ist der Fall. Es wird ja alles hinterfragt, die Kinder haben so viele B├╝cher zu Hause, dass sie sich gar nicht mehr entscheiden k├Ânnen und wenn man einmal lauter wird, fragt man sich, ob das Kind jetzt ein Trauma davon tr├Ągt und sp├Ąter zu Gewaltt├Ątigkeit neigen wird. Wenn etwas nicht rund l├Ąuft, sucht man den Fehler bei sich.

Ehrlich, das ist doch krank und es ist kein Wunder, dass so viele Eltern sich in ihrer Rolle total ├╝berfordert f├╝hlen. All diese heheren Anspr├╝che zu erf├╝llen, generiert auch Stress.

Wochenr├╝ckblicks Ge-Danken

1. Dass wir nach den Osterferien gut wieder in den Alltag gefunden haben. Das ist nicht so selbstverst├Ąndlich wie es klingt.

2. F├╝r einen tollen, sonnigen ersten Mai, den wir auf dem ├Ârtlichen Markt verbummelt haben.

3. F├╝r den Regen. Mir pers├Ânlich ist nat├╝rlich Sonne lieber, aber die Natur hatte den Regen wirklich dringend n├Âtig. Und jetzt w├Ąchst und schie├čt alles wundersch├Ân, wie es eben im Mai sein sollte.

4. Dass ich auf dem B├╝cherflohmarkt ein paar tolle Romane und H├Ârspiele f├╝r die Jungs ergattert habe.

5. Dass wir die ganze Woche vorz├╝glich gespeist haben. Es gab selbstgefangene Forelle, Spezialit├Ąten vom Griechen, selbstgebackene Pizza…

6. Dass die Erdbeer-Saison endlich wieder er├Âffnet ist. Nachher werde ich mir gleich welche holen.

7. F├╝r ein kurzweiliges Maifest am Dienstag. Die Kinder haben gespielt, wir konnten uns unterhalten und Radler trinken. Alles perfekt.

8. Dass der Zwerg wieder fit ist, er war zwei N├Ąchte sehr gebeutelt vom Husten. Sonst ging es ihm gut, tags├╝ber hat er gar nicht gehustet. Aber heute Nacht war es endlich wieder gut.

9. F├╝r alles leckere mit dem der Garten uns gerade t├Ąglich versorgt – frische Wachteleier, Salat, Kr├Ąuter und die ersten Radieschen. Der Zwerg hatte beim einpflanzen pl├Âtzlich die ganzen Samen verstreut, aber die sind jetzt am besten gewachsen. Tja, nen gr├╝nen Daumen hat man oder auch nicht.

10. Dass die Kinder heute bis 7.15 Uhr geschlafen haben. Anschlie├čend kamen sie zum Kuscheln ins gro├če Bett und wir standen erst um 8.00 Uhr auf. Mal sehen, wann das wieder passiert.

11. Dass meine Eltern die Jungs heute zu einem Ausflug mitgenommen haben. Mein Mann ist auch unterwegs, ich konnte in Ruhe den Haushalt machen und jetzt chill ich Mal ne Runde.

Wochenr├╝ckblicks Ge-Danken

1. Dass es mir wieder gut geht. Nach einer Woche wie der letzten ist mir wieder Mal bewusst, wie viel Gesundheit wert ist und das ohne sie alles nichts ist.

2. F├╝r das unglaublich geniale Wetter und die tolle Zeit, die wir drau├čen verbracht haben.

3. Dass mein Mann frei hatte. Er hat zwar von zu Hause aus gearbeitet, aber nat├╝rlich ist er da viel flexibler als sonst und das erleichtert den Alltag ungemein.

4. Dass wir die Cocktail-Saison auf dem Balkon wieder er├Âffnet haben.

5. Dass der FCA am Sonntag das unglaublich wichtige Spiel gegen Stuttgart gewonnen hat und die Chancen f├╝r eine weitere Saison in der ersten Liga enorm gesteigert hat.

6. Dass mein Mann mich drei Mal abends zum Radeln geschickt hat und w├Ąhrend ich weg war die K├╝che aufger├Ąumt und die Jungs fertig gemacht hat. Zuerst wollte ich nicht, aber dann tat das so gut.

7. Dass der Zwerg endlich sauber ist und sogar nachts die Windel verweigert – bisher unfallfrei.

8. Dass meine Arbeitswoche so entspannt verlief.

Hose runter

Auch beim Mini war es schon so, dass die erste Phase des ÔÇťSauber seins” stressiger ist, als die Windeln vorher.

Zwischen ÔÇťIch muss malÔÇť und wirklich m├╝ssen, liegt oft nur ein Hauch von Zeit und gerade im ├Âffentlichen Raum gibt es halt nicht alle f├╝nf Meter eine Toilette.

Heute Nachmittag waren wir im botanischen Garten. Als der Zwerg verk├╝ndete, dass er jetzt muss, befanden wir uns gerade maximal weit von der n├Ąchsten Toilette weg.

Hektik brach aus, wir sammelten den Mini und unser Zeug ein und als wir uns umdrehten stand der Zwerg mit runtergelassener Hose da. Vor ihm eine Horde kleiner M├Ądels, die gerade im Bl├╝tenarrangement fotografiert werden sollten.

Gro├čes Gekreische und Gekichere von den M├Ądchen-Mamas. Zum Gl├╝ck konnten wir ihn noch am Vollzug hindern. Mein Mann packte ihn Huckepack und dann ging es im Galopp zur n├Ąchsten Toilette.

Gartentour im April

Nur ein paar Impressionen. Im April explodiert alles.

Jeden Tag entdeckt man irgendwas Neues. Besonders sch├Ân sind dieses Jahr die Tulpen.

Auch mein Blumenbeet erwacht zum Leben, scheint als w├Ąre alles durch den Winter gekommen. ├ťberall bl├╝ht es.

Unsere B├Ąume geben auch ihr Bestes. Reichliche Bl├╝te der Magnolie, des Kirsch-, Apfel- und Hirnbaumes.

Auch zum Ernten gibt es reichlich – Kr├Ąuter, Salat und B├Ąrlauch.

Anderes w├Ąchst gerade noch, wie z. B. Kohlrabi, Erdbeeren, Rettich und Rote Beete.

Erstaunlich

Es ist schon erstaunlich, da hat man zwei Kinder gleichen Geschlechts, die nur 17 Monate auseinander sind und von denen man sagen kann, dass sie ja gleich ÔÇťerzogenÔÇť werden und doch sind sie so unterschiedlich und haben v├Âllig unterschiedliche Interessen.

Der Mini ist schon sehr anh├Ąnglich, braucht einen auch irgendwie und generell ist sehr viel Drama in seinem Leben. Er kommt da wohl nach mir.

Der Zwerg hingegen ist mehr so der Hau-Drauf. Er l├Ąsst sich nicht gerne was sagen und macht mehr so sein Ding. Zumindest oberfl├Ąchlich, denn er reagiert auch sehr sensibel auf ├Ąu├čerliche Umst├Ąnde. So zum Beispiel letzte Woche, als er mir nicht gut ging. W├Ąhrend der Mini das eher mit jammern quittiert hat, war der Zwerg extra aufgedreht und wollte immer, dass alles wieder normal ist. Er war schon lieb, brachte mir K├╝hlakkus und streichelte mich, aber es war einfach sp├╝rbar, dass er nicht damit klar kam. Er lebt das dann halt v├Âllig anders aus als der Mini.

Auch beim Kuscheln sind sie ganz unterschiedlich – der Mini kuschelt wirklich viel, der Zwerg wirklich nur ab und zu, wenn ihm halt danach ist.

Wenn es dem Mini schlecht geht (krank), dann jammert er st├Ąndig und h├Ąngt an mir, der Zwerg wird eher sauer. So schrie er zum Beispiel gestern nach einem Hustenanfall: Dieser bl├Âde Husten soll endlich weggehen.

Der Mini interessiert sich eher f├╝r geistige Dinge, er liebt B├╝cher, kennt sich super mit Tieren und Pflanzen aus, spielt andauernd Rollenspiele und der Zwerg ist eher der Praktiker – gibt es etwas herumzuschrauben, legt er dabei gro├čes Geschick und eine unendliche Geduld an den Tag. Er hilft auch immer im Garten mit und wenn er gie├čen, graben oder s├Ąen darf, ist er ewig besch├Ąftigt.

Der Zwerg ist richtig stur und wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, weicht er nicht davon ab. Der Mini ist da eher f├╝r Argumente zug├Ąnglich.

Tja, als Mutter liebe ich nat├╝rlich beide und best├Ąrke sie in ihren jeweiligen Interessen, versuche aber auch, auf ihren jeweiligen Charakter etwas ausgleichend zu wirken. So sorge ich zum Beispiel beim verkopften Mini daf├╝r, dass er durch k├Ârperliche Bet├Ątigung an Selbstvertrauen gewinnt und eine M├Âglichkeit hat, Entspannung zu finden. Beim Zwerg hingegen biete ich oft gezielt etwas Ruhiges an, damit er sich etwas zur├╝ck nimmt und Ruhe und Besonnenheit lernt.

Im Umgang mit ihren habe ich bei beiden Themen, die mich stressen. Wenn der Mini sich in was reinsteigert, hab ich schon manchmal das Gef├╝hl, dass ich es jetzt echt nicht mehr h├Âren kann und wenn der Zwerg mal wieder mit dem Kopf durch die Wand will, brauche ich auch vieel Geduld.

Aber alles in allem bin ich zufrieden – sie sind beide empathisch, gehen offen auf andere Menschen zu, sie sind an vielem interessiert und man kann sie ├╝berall mit hin nehmen, weil sie eben wissen, wie man sich im Restaurant oder beim Einkaufen etc. benimmt.

Strampeln

Die letzten Tage hat sich bei mir so viel Frust, Wut, Genervtheit und Angst eingeschlichen, dass ich raus musste. Eigentlich wollte ich nicht nur raus, eigentlich wollte ich nur weg von mir selbst.

Das Fahrrad und ich.

Es war angenehm warm, aber nicht hei├č.

Meine Muskeln protestierten sofort gegen die ungewohnte Bewegung an. Seit zwei Wochen habe ich mich praktisch nicht bewegt.

Tr├Ąnen brannten in meinen Augen und ich wurde immer noch w├╝tender auf mich selbst. Meine Beine brannten und ich musste richtig pumpen, um Luft zu bekommen.

Ach, wenn ich doch so w├Ąre. Ach, wenn ich nur anders sein k├Ânnte. Wenn ich blo├č jemand ganz anders w├Ąre.

Irgendwann war da keine Wut mehr. Eine angenehme Ruhe machte sich in mir breit.

Ich f├╝hlte den Wind im Haar. Die Sonne im Gesicht.

Wiesen, mit L├Âwenzahn und Butterblumen ├╝bers├Ąt.

Bl├╝hende Obstb├Ąume, die bet├Ârend riechen.

Enten, die sich im Gras ausruhen.

Der Fluss, den ich schon als Kind liebte, flie├čt tr├Ąge dahin.

Das arme Storchenpaar, dass sich sein Nest auf einem Telefonmast direkt neben der Bundesstra├če gebaut hat und das privilegierte Storchenpaar, dass ein Nest auf dem malerischen Kirchturm gebaut hat.

Und dann mag ich mich pl├Âtzlich wieder.